Programm

  

Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827)

Sonate für

Klavier und Violoncello G-Dur op. 5, 2

I.  Adagio sostenuto e espressivo –
    Allegro molto più tosto presto

II.Rondo Allegro

Fanny Hensel
(1805 - 1847)
Fantasia für

Violoncello und Klavier g-moll

Andante doloroso – Prestissimo –
Poco più lento – Allegro molto moderato

Marcel Poot
(1901 - 1988)
Dialogo für

Violoncello und Klavier (1979)
Vivace e vigoroso – Andante - Vivo

 - P a u s e -

Edvard Grieg
(1843-1907)
Sonate für

Violoncello und Klavier a-moll op. 36

I.   Allegro agitato
II.  Andante molto tranquillo
III. Allegro molto e marcato

In Kunst und Musik spiegeln sich gesellschaftliche Strukturen wieder. So fällt beispielsweise die Entwicklung des „concertanten Stils“ nicht zufällig in das vom Absolutismus geprägte Generalbasszeitalter. Im Leben wie in der Musik war es hier nur wenigen beschieden, die erste Geige zu spielen, wohingegen den anderen eine lediglich dienende, bestenfalls anmutig begleitende Rolle zugedacht wurde, was in der Musik zumeist die Tasten- und Bassinstrumente betraf.

Ganz anders verhält es sich in der Zeit der Aufklärung, der zunehmenden Liberalisierung und der Entfaltung des Bürgertums, in der die Gedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit immer größere Bedeutung gewinnen.

Beethovens fünf Sonaten für Klavier und Violoncello sind in dieser Hinsicht etwas ganz Besonderes, stellt doch bereits der Titel die herrschenden Verhältnisse auf den Kopf, indem das Tasteninstrument dem Melodieinstrument vorgezogen wird. Dabei wird gern vergessen, dass auch das Violoncello zum größten Teil als reines Begleitinstrument eingesetzt wurde.

So gesehen sind diese Werke mit der provokanten Überschrift als Befreiung zweier Aschenputtel zu verstehen, deren sorgfältig ausgearbeitete Parts beide Spieler mit der Entfaltung großer musikalischer Gedanken beglücken.

Ganz in diesem Geiste entstand im bürgerlichen Hause Mendelssohn Bartholdy Fanny Hensels Fantasie für Klavier und Violoncello. Fanny Hensel – die mit dem Kunstmaler Wilhelm Hensel verheiratete Schwester von Felix Mendelssohn, deren musikalische Begabung und Bildung der ihres berühmten Bruders ebenbürtig war -  komponierte sie vermutlich im Jahre 1829 für den Cello spielenden Bruder Paul.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Werk (ursprünglicher Originaltitel Sonata o Fantasia) ebenso wie Beethovens Sonate in dunklem g-moll beginnt und in heiterem G-dur endet; diese und zahlreiche satztechnische Analogien zeigen den Einfluss, den Beethoven auf seine Zeitgenossen hatte. Hensel trug drei von Beethovens Cellosonaten als „Sonate mit Cellobegleitung“ in das Musikalienverzeichnis der Familie  Mendelssohn ein, weshalb angenommen werden darf, dass sie diese auch genau kannte.

Allerdings kann weder der die Formulierung ... für Violoncello mit Begleitung des Pianofortes, noch deren radikale Umkehrung ... für Klavier mit Cellobegleitung gleichberechtigt partnerschaftliches Musizieren treffend charakterisieren.

So liegt es nahe, dass der Gedanke des Dialoges im Sinne eines Austauschs, einer angeregten musikalischen Unterhaltung zweier gleichgestellter Persönlichkeiten in der Welt kammermusikalischer Werkbezeichnungen Einzug hält.  

Marcel Poots „Dialogo“ von 1979 und Hensels Fantasie sind - neben dem Gedanken der Gleichberechtigung - auch durch formale Aspekte verbunden: beide

Werke sind kurz und suchen die Nähe zur traditionellen Sonatenform, wobei jedoch die einzelnen Abschnitte nahtlos miteinander verschmelzen.

Als einer der international beliebtesten Tondichter Belgiens prägte Marcel Poot entschieden das belgische Musikleben des 20. Jahrhunderts. Er war u.a. Direktor des Brüsseler Konservatoriums, Rektor der Chapelle Musicale Reine Elisabeth de Belgique und Vorsitzen­der der Jury des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs. Obwohl seine Werke auch geladenen Ausdruck und tiefe Tragik erreichen, verhalfen ihm vor allem rhythmische Vitalität und der lyrischer Charme seiner Musik zu internationaler Anerkennung.

Edvard Griegs monumentale Sonate für Violoncello und Klavier verbindet, was auf den ersten Blick unvereinbar erscheint:

die reine Kammermusik, deren Ziel der Dialog, der partnerschaftliche Umgang ist, und die sogar auf Zuhörer verzichten kann, ohne das Vergnügen der Musiker zu mindern, wird auf’s Engste mit dem „concertanten Stil“ - dem musikalischen Wettstreit um die Gunst des Publikums - verwoben.  

Gérard Mangin

 

Christina Vetter (Klavier) wurde  in Ludwigshafen am Rhein geboren und studierte an der Musikhochschule Mannheim Klavier, Klavierkammermusik und Liedbegleitung sowie Musikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Sie wurde in zahlreichen Wettbewerben sowie durch Stipendien des Richard-Wagner-Verbandes und der Antonie-Besler-Stiftung ausgezeichnet, Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen folgten.

Christina Vetter unterrichtet Klavier, korrepetiert Sänger und Chöre und tritt regelmäßig in Konzerten - unter anderem für die Kultursommer Rheinland-Pfalz und Ludwigshafen - auf. 1999 gründete sie die Rheinischen Salonsolisten, ein Ensemble, das sich der leichten Muse widmet (www.rheinische-salonsolisten.de) .

 

Cornelius Fauth (Violoncello) wurde in Stuttgart geboren und  in Violoncello von seinem Vater, Harald Meyer und Hélène Godefroy unterrichtet. Nach intensiver Auseinandersetzung mit der russischen Theatertradition in Moskau und Jaroslawl wandte er sich 1992 doch der Musik zu und studierte nun Schulmusik mit dem Hauptfach Violoncello (Reimund Korupp) an der Musikhochschule Mannheim. Er unterrichtet am Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium Mannheim Violoncello, dirigiert den katholischen Kirchenchor Rheingönheim und komponiert. Beim Kompositionswettbewerb des Nordrhein-Westfälischen Sängerbundes 1999 wurde eines seiner Werke mit einem Sonderpreis ausgezeichnet und beim concertino-musicverlag verlegt.

Christina Vetter und Cornelius Fauth
Musikalische Dienstleistungen und Unterricht
Goethestraße 11, 67063 Ludwigshafen,
Telefon und Fax: 0621-513748